Brief einer Bankerin

Anna-Lena Boguhn

Aktuell befinden wir uns in einer Krise, die von diesem Virus namens „Corona“ und den daraus entstandenen Folgen, ausgelöst wurde.

Es gibt wohl keinen Menschen, den das nicht betrifft. Das öffentliche Leben existiert nicht mehr in der ursprünglichen Form, die wir kannten. Menschen bangen um ihre Existenz, ihre Gesundheit oder die ihrer Liebsten und werden ihrer Normalität beraubt.

Keiner kann uns aktuell sagen, wann oder wie diese Krise zu Ende geht.

Was wir wissen ist, dass wir weitermachen müssen.

Ich arbeite in einer Genossenschaftsbank und habe die Einschränkungen live miterlebt bzw. erlebe diese noch immer. Heute, am 17.04.2020, erhielten wir zum Wochenende eine Mail des Vorstands. Hierin wird uns Mitarbeitern für unser Engagement auch in diesen schweren Zeiten gedankt. Diese Mails erhalten wir seit Anbeginn der Krise regelmäßig.

Was mich jedoch an dieser Mail dazu brachte, diese Zeilen aufzusetzen, war eine Thematik, die unseren Vorstand offensichtlich beschäftigt.

In der Mail hieß es „wir Banken sind ‚systemrelevant’“ und weiter „auch wenn in den Medien nicht über uns berichtet wird“.

In den Medien hört/sieht/liest man in erster Linie von Medizinern, Pflegekräften und den Menschen, die sich um unsere Gesundheit sorgen. Sie sind in diesen Zeiten von ganz besonderer Bedeutung – ganz ohne Frage.

Letztlich gibt es da auch noch die „Alltagshelden“. Es ist die Rede von den Menschen, die unsere Lebensmittelversorgung garantieren; die Menschen, die uns weiterhin an unsere Ziele bringen oder auch die Menschen, die uns Zuhause versorgen, wenn wir online Bestellungen aufgeben. Sie alle machen weiter – so wie so viele.

Überall liest man derzeit „wir sind für Sie da“ oder auch wie bei uns „Wir schaffen das zusammen!“.

Das Wort ‚systemrelevant’ bemisst bestimmten Berufen oder Branchen einen Wert bei. Es stellt uns auf verschiedene Ebenen und macht uns ungleich. Jede Existenz ist wichtig und sichert unsere sehr gute Wirtschaftslage, in der wir uns eigentlich befinden.

Das weiterführende Thema, dass über uns Banken in diesen Zeiten nicht berichtet wird, sitzt etwas tiefer, als man meint.

Es geht hierbei nicht darum, dass wir positiv erwähnt werden möchten. Es geht um das Image der Banken und ihrer Angestellten. Dass das Image seit einigen Jahren kein Gutes mehr ist,  brauche ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Zeiten von Negativzinsen machen es aktuell nicht besser.

Es sollte jedoch folgendes festgehalten werden: Banken sind Unternehmen.

Wir sind darauf bedacht, Erträge zu generieren, um wirtschaftlich gut aufgestellt zu sein. Dazu benötigen wir Umsatz und dem gegenüber stehen Kosten. Am Ende wird ein Überschuss oder ein Verlust ausgewiesen – wie bei jedem Unternehmen. Wir sind auch darauf angewiesen, uns an bestimmte Veränderungen am Markt anzupassen.

Unsere Rolle ist wirtschaftlich gesehen sehr wichtig – insbesondere jetzt.

Ich habe früher nicht verstanden, wenn darüber geschimpft wurde, dass Banken in Schieflage gerettet werden. Heute verstehe ich diese negative Kritik noch weniger und erst recht nicht, wenn einem Bankangestellten mit respektlosem Umgang begegnet wird.

WIR sind für EUCH da.

An uns hängt so viel mehr als wir selbst – als das Unternehmen, das wir sind und die Mitarbeiter, die uns am Laufen halten.

An uns hängt der Angestellte, der seine Altersvorsorge mit uns plant.

An uns hängt der Unternehmer, der seine Wirtschaftsgüter über uns finanziert hat.

An uns hängt der mutige Mensch, der seine Existenzgründung durch uns begleiten lässt.

An uns hängt der Mensch, der für seine Träume Rücklagen mit uns schafft.

An uns hängen so viele...

Wenn eine Bank gerettet wird, dann werdet ihr gerettet. Weil ein Unternehmen, das euch alle verbindet, schlecht gewirtschaftet hat. Ihr rettet nicht die Banken. Hinter uns, steht ihr. Es ist ein großes Abwägen, noch größeren wirtschaftlichen Schaden von uns allen abzuwenden.

Nicht jede Bank wirtschaftet gut. Nicht jedes Unternehmen wirtschaftet gut. Hinter ihnen stehen auch „nur“ Menschen. Menschen – wir, jeder von uns – machen Fehler.

Es wird Zeit aufzuhören, die Schuld zu suchen. In so vielen Bereichen.

Wir sind nicht die Bösen – wir  sind alle Menschen.

Lasst uns gemeinsam weiter machen und unser Bestes geben.

Gut aufgestellt für die Zukunft für ein bedeutungsvolles Miteinander.

 

Ihre Anna-Lena Boguhn